North Western European Regional Contest 2016 in Bath England

von Andreas Ott (Kommentare: 0)

North Western European Regional Contest 2016 in Bath England

 

Kurz vorweg: Die Associated Computing Machinery (ACM) verrichtet jährlich den International Competitive Programming Contest (ICPC). Dabei gibt es die World Finals, also die Weltmeisterschaft. Um sich dafür zu qualifizieren muss man sich in den Regionals beweisen. Darunter fällt der North Western European Regional Contest, eine Meisterschaft für Nord-West Europa.

Beim Competitive Programming versucht ein Team mit drei Programmierern in einer gegebenen Zeit möglichst viele Aufgaben mittels Algorithmen korrekt zu lösen. Sie werden dabei von einem Coach betreut.

 

Mit diesem Wissen im Hintergrund nehm ich dich jetzt mit auf unsere diesjährige Reise und teile unsere Erfahrungen mit dir. Nächstes Jahr findet der Contest wieder in Bath statt und einige unserer Erlebnisse könnten dir als Mahnmal oder Hilfestellung dienen.

 

Tag 1: Die Abreise

Team PlsNoCopyPasta und meine Wendigkeit in der Position als Co-Coach kommen am Flughafen München Terminal 2 um 8 Uhr an. Dabei genieße ich bei der Gepäckkontrolle erstmal den Luxus einer Sprengstoff-Kontrolle. #bombastisch

 

Um 8:30 Uhr wurde eine gewöhnungsbedürftige MCM Tasche erspäht mit einem stolzen Preis von 2499 Euro, welche man mit einem Kartoffelsack und Stickern ebenfalls hätte nachbauen können.

Digital wie Informatiker nunmal sind benutzte niemand ein gedrucktes Ticket. Auf den Coach Professor Mock traf das Team am Abflug Gate H22.

 

Mit einer A320-200 starteten wir pünktlich um 09:20 Uhr bei tollem Wetter und toller Sicht. Zu essen gab es Käsebrote oder Süßigkeiten. Um Punkt 10 Uhr floss das erste Bier. Der Flug selbst war angenehm mit einigen kleinen Rucklern, bei denen zum Glück kein Tropfen verloren ging. Zum Glück gilt in England eine Promillegrenze von 0,8. #Läuft

 

Gegen 10:50 Uhr hieß es "Land Ahoi". Wir sind jetzt wohl über einer Insel die bald nicht mehr Teil der EU ist. Wäre es Makaber darauf anzustoßen? #GesagtGetan

 

Von London Heathrow nach Bath

 

Mit dem Anflug aus dem Osten der Stadt inklusive zwei weiter Kurven um die Stadt bei einer phänomenalen Aussicht haben wir den Flughafen London Heathrow mit 10 Minuten Vorsprung erreicht.

Bisher läuft alles exakt nach Skript.

Koffer hat niemand dabei, also das Handgepäck geschnappt und ab zum Auto abholen.

 

England ist übrigens eines dieser rückständigen Länder, die darauf beharren auf der falschen Straßenseite fahren zu dürfen. Mit einem Ford S-Max starteten wir die Fahrt von London nach Bath.

 

Da ich der einzige bin der zu diesem Zeitpunkt das 25. Lebensjahr überschritten hat und wir nicht einen zusätzlichen Obulus an die Autovermietung Hertz zahlen wollten, übernahm ich im wahrsten Sinne des Wortes das Steuer.

Nach 30 Kilometer auf der Autobahn und vielen Sätzen wie "schaut mal die Tankanzeige sagt, wir können schon wieder mehr Kilometer fahren", bemerkten wir, dass wir den vierten von sechs Gängen benutzen.

Oftmals kam auch ein nervtötendes "Piep, weiter nach links, ähm ne rechts" von den hinteren Reihen. Das lag zum einen an den engen Straßen aber mindestens genauso viel an der Unerfahrenheit mit dem Lenkrad auf der falschen Seite des Autos.

Nicht unerwähnt bleiben sollten die vielen Nahtoderfahrungen in englischen Kreiseln. #LebenAmLimit

 

Bath

 

Einige Kilometer vor der Stadt hatten wir eine wunderschöne Aussicht über Felder und Hügel, nur leider keinen Platz zum Anhalten, um es genießen zu können. Kurz darauf erreichten wir die Stadt. Die Aussicht war dort eher eintönig und der Verkehr kam regelrecht zum Erliegen. Ein sehr bekanntes Phänomen, welches wir aus Landshut kennen. Aufgrund der Umstände hatten wir die Möglichkeit die Architektur der Gebäude genauer zu untersuchen. Dabei fiel der generelle CopyPasta-Salat der englischen Städte erstmals so richtig ins Auge. #PlsNoCopyPasta

Da Bath etwa so groß ist wie Landshut, gingen wir auch von einigen kostenfreien Parkflächen aus. Schnell relativierte sich unsere Vorstellung mit Preisen zwischen 8 und 27 Pfund pro Tag.

Da zahlen mit Euro war natürlich nirgends eine Option war und Britische Pfund Mangelware, wurde stark improvisiert. #EsMangeltAnPfund

 

Der Check-In im Hostel verlief reibungslos und es ging auf die Zimmer. Das inzwischen 135 Jahre alte viktorianische Gebäude ist sehr zentral in einem Hinterhof gelegen und die Innenstadt ist zu Fuß nur ein paar Schritte entfernt. Wir wurden von gefängnisartigen Kammern mit einem Fenster und Waschbecken empfangen. Ein Stahlrahmen mit Matratze war das Highlight. #SchwammDrüber

 

Der andauernd zum Erliegen gekommene Verkehr erschwerte auch die Fahrt zur Universität. Als dort ebenfalls keine kostenlosen Parkplätze aufzufinden waren, parkten wir abseits in einer Sackgasse und gingen unter leichtem Regen Richtung Campus.

 

Nach einigen Fehlinterpretationen der Karte standen wir am Ort des Geschehens. Einer Turnhalle mit Tischen voller Kabel, genannt "Founders Hall". Die vielen Freiwilligen waren bereits eifrig bei der Arbeit und sorgten dafür, dass die Technik bald zur Verfügung stand.

Der Wartebereich für die Teams befand sich im Nebengebäude, dort fand sich sogar ein Starbucks. Um 17 Uhr sollte die Registrierung der Teams stattfinden, welche sich jedoch aufgrund von organisatorischen Missgeschicken mehrfach verzögerte. Dadurch hatten wir allerdings die Möglichkeit uns mit dem Head-Judge und Mitarbeitern des Sponsors J.P. Morgan zu unterhalten. Dadurch entstanden sehr interessante Gespräche über den Einsatz von Algorithmen für "Realtime Bidding" an der Börse.

Währenddessen bekamen wir erste Eindrücke über das englische Essen. Eine Art Teigtaschen mit Pfeffer, Senf, Kartoffeln und etwas nicht näher definierbarem, vertrieb den ersten Hunger etwas.

 

2 von 3 Teams schafften es rechtzeitig sich zu registrieren, dabei bekamen alle ein T-Shirt und ein Namensschild. Die Contestants waren dieses Jahr in Schwarz und die Coaches in Babyblau. Leider ging mein Namensschild verloren oder wurde erst gar nicht gedruckt. Das Team ByteFactoryLandshut hatte wie einige andere Teams Probleme bei der Anreise und nahmen deshalb die "Late-Registration" am nächsten Morgen in Anspruch.

 

Wir ließen das Auto an dem hoffentlich halbwegs legalen "kostenfreien" Parkplatz zurück und fuhren mit dem einem Bus der kostenfreies WLAN und Strom anbot ins Stadtzentrum.

Auf dem Weg zum Abendessen im indischen Restaurant "The Eastern Eye" ging das Team JustVisitingEngland verloren und konnte trotz intensiver Suchaktion nicht mehr gefunden werden. Die Atmosphäre im Restaurant war sehr gut, ebenso das Essen. Amüsiert wurde sich über eine Frau im Bananenkostüm am Nachbartisch und diskutiert über die Zeit von Herrn Professor Mock in den USA.

 

Im Anschluss gingen wir im gewohnten englischen Regen zurück zum Hotel.

Das WLAN erlaubte uns Anfangs den Zugang für einige wenige Sekunden bevor es das Signal trennte. Nachdem die Mehrzahl der Personen im Hostel die Nachtruhe suchten, war auch ein stabiles Internet sichergestellt.

Gegen 23 Uhr des Abends kam auch das Team ByteFactory Landshut in Bath an.

 

Tag 2: Übungssession, Bath und dekadentes Dinner

 

Die Nacht in einem Hostel kann manchmal etwas unruhig verlaufen, das ist vielen bestimmt klar. Durch die dünnen Wände fühlte man sich wie als wäre man beim Gespräch im Nebenraum live dabei. Da allerdings auch andere Teams in diesem Hostel untergebracht sind könnte das für manche auch ein Vorteil gewesen sein.

Auf dem Stahlgestell mit Matratze schlief man sonst erstaunlich gut. Morgens um 6 zog es die ersten aus dem Bett um dem Trubel um die Duschen aus dem Weg zu gehen. Während dieser Zeit war offensichtlich auch noch ein Pärchen im Hinterhof unterwegs und beschimpfte sich dort lautstark.

 

Der Regen wurde langsam zu Schnee beziehungsweise einem undefinierbarem Mix aus beidem und so erreichten wir die Universität Bath. Dort sollte eine Übungssession stattfinden für den Wettbewerb am darauf folgenden Tag. Auch hier gab es organisatorische Hindernisse die den zeitlichen Ablauf ein wenig aus dem Ruder brachten.

Unter dem Tag #EinNamensschildFürDenCoach startet eine weitere organisatorische Panne. Denn das Namensschild war immer noch nicht vorhanden. Deshalb wurde kurzerhand das Schild eines anderen genommen und Handschriftlich"korrigiert".

 

Nach der Übungssession konnten alle Landshuter Teams 2 von 3 gelöste Aufgaben für sich verbuchen.

 

Im Anschluss daran gab es einen Vortrag des Sponsors J.P. Morgan, ein wenig essen und es wurden Fragen zum Contest gestellt.

Die wichtigste Frage ob es denn möglich wäre die Turnhalle zu heizen, damit man vor den Computern nicht erfrieren müsse konnte nicht positiv beantwortet werden.

Als nächstes stand ein Besuch der Stadt oder der römischen Bäder auf der Liste. Aufgrund einiger Missverständnisse wurde die Stadt ohne Führer auf eigene Faust erkundet, was definitiv die beste Entscheidung war!!

 

Nach der großen Enttäuschung über die Organisation an der Universität überraschte J.P. Morgan mit einem extrem dekadenten 3-Gänge  Abendmahl in den "Assembly Rooms".

Dort konnten wir in einem Showroom die verschiedenen Produkte des Sponsors live erleben, Kontakte knüpfen und interessante Gespräche führen. #DekadentDinieren

 

Einige Aussetzer des Abends muss man hier trotzdem erwähnen. Ein nicht näher genanntes Mitglied des ByteFactoryLandshut Teams war felsenfest davon überzeugt, dass der Redner des heutigen Vortrags den Namen J.P. Morgan trug und kommunizierte das auch gegenüber Mitarbeitern des Sponsors. Deren Humor hielt sich in Grenzen.

Ebenfalls schien die Umrechnung von Euro in Pfund dem Mitglied des Teams einige Probleme zu bereiten, da gefährliches Halbwissen aus den Harry Potter Filmen aufkam.

 

Da sich zu fortgeschrittener Stunde auch der Raum leerte, verschwand auch das ByteFactoryLandshut Team in die Nacht und hinterließ mich allein mit 4 J.P. Morgan Mitarbeitern am Tisch. Dabei wurden hitzige Debatten zu den Themen "England nach dem Brexit und J.P. Morgans offiziell nicht vorhandene Pläne für einen Umzug", "Digitalisierung im Investmentbanking und die Auswirkungen auf Mitarbeiter" sowie "Erneuerbare Energien und deren Einsatz in der Automobilindustrie" geführt.

Gegen 23 Uhr wurde der Saal dann endgültig geleert und auch die letzten Geister traten den Weg Richtung Hotel an um für den nächsten Tag ausgeruht zu sein.

 

Tag 3 Der Wettkampf

 

Aufgrund einer Busfahrt im Wert einer Schnitzelsemmel kam das Team JustVisitingEngland in allerletzter Minute zum Wettbewerb und sorgte damit für bange Minuten bei den Coaches. Der Hintergrund war, dass es zwei verschiedene Busunternehmen in der Stadt gibt und das jeweilige Ticket nicht für das andere Unternehmen gültig ist.

 

Der Contest wurde mit einer Glocke gestartet und fortan hieß es "Happy Coding".

Während den 5 Stunden trafen sich alle Coaches in einem separaten Raum und diskutierten Themen für die nächsten Jahre.

Die wichtigsten Informationen aus den Meetings kurz zusammengefasst:

- Der German Competitive Programming Contest (GCPC) wird auch 2017 wieder in München stattfinden. Voraussichtlicher Termin ist im Juni.

- Die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) wird voraussichtlich Ende Januar den Wintercontest in Erlangen veranstalten.

- Traurigerweise werden wir nächstes Jahr definitiv nicht in den Luxus kommen 3 Teams zum NWERC zu schicken.

 

Die Bilanz nach dem Contest

 

Alle Teams haben erfolgreich am Wettbewerb teilgenommen, jedoch ist das Ergebnis in den nächsten Jahren sicherlich noch ausbaufähig.

 

JustVisitingEngland belegte mit 3 gelösten Aufgaben den 96. Platz.

PlsNoCopyPasta mit zwei gelösten Aufgaben und einer versuchten Aufgabe den 100. Platz.

ByteFactoryLandshut hat mehrfach versucht ein Problem zu lösen und findet sich auf Platz 114. #MusstDuHaltDieTabelleDrehen

 

Folglich sind alle Landshuter Teams in  "Contest.getAllTeams().length()" vertreten.

 

Wer eine Übersicht über die köstlichsten Teamnamen haben möchte darf einen Blick auf das Scoreboard unter http://nwerc2016-scoreboard.bath.ac.uk/static/scoreboard/static.html werfen.

 

 

Tag 4 Die Rückreise:

Beim Frühstück trafen wir das letzte Mal auf die Münchener Teams und verließen unter strömenden Regen das YMCA Hotel in Richtung Universität um das Auto abzuholen.

Völlig durchnässt startet die Rückfahrt sofort mit einem kleinen "Fahrfehler" in die Einbahnstraße.

Der nächste Halt war die goldene Möwe in der Stadt Reading bei der sich das Team 20 Cheeseburger für die weitere Reise beschaffte. Die große Menge brachte den Vorteil mit sich, dass fast alle frisch zubereitet wurden.  Währenddessen ertönte in den Lautsprechern des Fast Food Restaurants häufiger der Satz "do you suck my dick?" in einem Song, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

Unterwegs hielten wir an der "University of Reading". Seltsame Vorstellung, dass es eine Universität gibt an der man lesen lernt, aber jeder fängt mal klein an.

Auf dem Weg zurück nach London Heathrow musste noch das Fahrzeug betankt werden, was dazu führte, was zu einem Spontanausflug zum "Windsor Castle" führte.

 

Fazit: #ScrollradBrenntJetztHier

 

Alles in allem waren es vier tolle und erlebnisreiche Tage. Natürlich war die Organisation im Vergleich zu den Vorjahren nicht optimal und das Wetter hat ebenfalls Unbehagen bereitet. Aber das schmälert nicht das Erlebnis eines Regionalausscheids.

Der NWERC ist eine absolut unglaubliche Erfahrung für jeden Programmierer und ich kann es jedem wirklich nur empfehlen.

Man lernt Studenten anderer europäischer Universitäten kennen, tritt gegen Sie an und versucht mehr Probleme zu lösen. Dabei sind wir keineswegs nur Konkurrenten, manchmal bereitet man sich am Vortag zusammen vor, diskutiert zusammen Lösungswege und im besten Fall beginnen hier Freundschaften.

Mit meiner dritten Teilnahme an einem Regionalausscheid und der Krönung mit der Position als Co-Coach eines Teams wird es nun Zeit neuen Gesichtern das Ruder zu überlassen.

Vielleicht bist ja genau DU es, der den Spruch "MAKE LANDSHUT GREAT AGAIN" bereits nächstes Jahr in Erfüllung gehen lässt und ebnest damit dir, deinem Team und der Hochschule Landshut den Weg auf die internationale Bühne durch die Teilnahme an den World Finals.

An alle die denken es würde am Geld scheitern sei gesagt, die Hochschule stellt euch ein Budget bereit. Es liegt an euch, sucht euch Abenteuer und erlebt etwas. Manchmal ist ein Mietauto, ein weiter entfernter Flughafen und ein Hotel außerhalb ein viel genialeres Erlebnis und sicher auch günstiger.

Ich wünsche euch allen dabei viel Erfolg.

 

Hier an dieser Stelle Ende ich wohl mit einem #TimeLimitExceeded

 

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Ein Beitrag von

Daniel Hilpoltsteiner

ByteFactory Landshut

Zuständig für Programmier-Wettbewerbe

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p.s. auf open.kattis.com kannst DU dich registrieren, deine Hochschule eingeben und die Aufgaben lösen die wir gelöst haben. Zeig uns doch, dass auch du es drauf hast!

 

Die Veranstalter der University of Bath erklären die Regeln des Contests
Das Ambiente der Contest-Örtlichkeit / aka. Turnhalle
Team 1 bei der Bearbeitung der Contest Aufgaben
Team 2 bei der Bearbeitung der Contest Aufgaben
Team 3 bei der Bearbeitung der Contest Aufgaben
Team 3 und Coach auf dem Event des Contest-Sponsors J.P. Morgan

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